{"id":1431,"date":"2020-07-06T09:51:38","date_gmt":"2020-07-06T07:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1431"},"modified":"2020-07-10T14:50:17","modified_gmt":"2020-07-10T12:50:17","slug":"als-weltgroesster-hersteller-produziert-die-black-magic-gmbh-im-chemiepark-bitterfeld-wolfen-gekruemmtes-graphen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1431","title":{"rendered":"Black Magic GmbH produziert gekr\u00fcmmtes Graphen"},"content":{"rendered":"\n<p>(06.07.2020) <strong>Die Black Magic GmbH im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen ist weltgr\u00f6\u00dfter Hersteller von gekr\u00fcmmtes Graphen<\/strong>, welches in Ultrakondensatoren zum Einsatz kommt. Die Energiespeicher lassen sich in k\u00fcrzester Zeit ent- und wieder aufladen und sind damit bestens geeignet auf den Gebieten Automotive, Transport oder Raumfahrt. Das Unternehmen Black Magic aus Sachsen-Anhalt wurde im vergangenen Jahr f\u00fcr die Entwicklung des Stoffes mit dem \u00a0Hugo-Junkers-Innovationspreis ausgezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name des 2017 gegr\u00fcndeten Unternehmens ist kein Zufall. Denn das hier hergestellte schwarze Pulver aus Kohlenstoff hat durchaus Eigenschaften, die an schwarze Magie erinnern. So kann es in Ultrakondensatoren, die von der Muttergesellschaft Skeleton Technologies hergestellt werden, bis zu drei mal mehr Energie als herk\u00f6mmliche Batterien speichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Black Magic GmbH produziert spezielles, gekr\u00fcmmtes Graphen. Das kommt zum Einsatz in Zellen von Ultrakondensatoren &#8211; Energiespeichern, die im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Batterien in k\u00fcrzester Zeit sehr viel h\u00f6here Leistungen abgeben &#8211; bis zu 1000 Ampere und mehr &#8211; und zugleich wieder aufnehmen k\u00f6nnen. Dies funktioniert, weil das Elektrodenmaterial in den Ultrakondensatoren anders arbeitet als in Batterien: Dort dringen Lithium-Ionen komplett in Partikel ein, bei den Kondensatoren nutzen sie nur deren Oberfl\u00e4che. Die muss also gro\u00df sein, und genau hier kommt das Graphen ins Spiel: Denn das Kohlenstoffmaterial verf\u00fcgt \u00fcber eine gro\u00dfe Oberfl\u00e4che mit spezieller Struktur. Anders als das klassische zweidimensionale Graphen ist das Graphen der Black Magic GmbH gekr\u00fcmmt, was verhindert, dass die Teilchen aneinander kleben. Dies w\u00fcrde die eigentlich verf\u00fcgbare Oberfl\u00e4che blockieren. \u201eDas Material, in dem sich der Kohlenstoff befindet, wird so lange modifiziert, bis nur noch Kohlenstoff zur\u00fcckbleibt. W\u00e4hrend dieses Verfahrens kr\u00fcmmt sich die Oberfl\u00e4che aus Kohlenstoffatomen, \u00e4hnlich einem zerkn\u00fcllten Blatt Papier\u201c. Das erkl\u00e4rt Dr. Sebastian Pohlmann, Vice President of Innovation des Unternehmens und ma\u00dfgeblich am Aufbau des Forschungszentrums beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technologie des gekr\u00fcmmten Graphens stammt eigentlich aus Estland, wo die Skeleton Technologies Group 2009 gegr\u00fcndet wurde. Sehr z\u00fcgig jedoch wurden auch Aktivit\u00e4ten in Deutschland aufgebaut, 2013 wurde die Skeleton Technologies GmbH und 2017 schlie\u00dflich die Black Magic GmbH gegr\u00fcndet. Heute wird das Material in Bitterfeld best\u00e4ndig weiterentwickelt und die Technologie zur Produktionsreife gebracht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einsatz in Satelliten<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Einsatz der Ultrakondensatoren und damit des gekr\u00fcmmten Graphens ist in vielen Bereichen von gro\u00dfem Interesse: Transport, Logistik, Automotive oder Raumfahrt. In einem Pilotprojekt erprobte die European Space Agency mehrere der Hochleistungs-Speicher zur Anwendung in Satelliten. Das sei dann sinnvoll, erkl\u00e4rt Sebastian. Pohlmann, wenn eine bestimmte Anwendung innerhalb k\u00fcrzester Zeit sehr viel Energie ben\u00f6tige, bei Radarimpulsen zum Beispiel. Die Studie ist erfolgreich verlaufen, momentan wird ein potentielles Anschlussprojekt geplant: \u201eWir rechnen damit, dass Ultrakondensatoren innerhalb weniger Jahre ihren Platz in der Raumfahrt finden\u201c, so der Wissenschaftler.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht nur die kurzfristige, massive Energieabgabe spricht f\u00fcr den Einsatz der Ultrakondensatoren, sondern auch die Eigenschaft der h\u00e4ufigen Wiederaufladbarkeit. W\u00e4hrend herk\u00f6mmliche Batterien nur etwa 500 bis 1000 mal aufgeladen werden k\u00f6nnen, ist dies bei den Kondensatoren bis zu einer Million mal m\u00f6glich. Das Ziel sei aber nicht, betont Sebastian Pohlmann, Batterien zu ersetzen. \u201eDas geht schon deshalb nicht, weil die Ultrakondensatoren nicht \u00fcber genug Energie verf\u00fcgen.\u201c W\u00fcnschenswert sei vielmehr eine Kombination beider Techniken; denkbar in Hybridfahrzeugen zum Beispiel, um m\u00f6gliche Leistungsspitzen abzufangen, beispielsweise bei schnellen Brems- und Beschleunigungsvorg\u00e4ngen. Besonders interessant ist auch der Einsatz bei Wasserstoff-Fahrzeugen, da deren Brennstoffzellen nicht in der Lage sind, Energie wieder aufzunehmen. Konzeptfahrzeuge existieren bereits, und in Abh\u00e4ngigkeit des Erfolges der Brennstoffzellentechnologie im Automobilbereich k\u00f6nnte die Serienproduktion in wenigen Jahren anlaufen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kooperationen in ganz Europa<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Forschung zur Kombination beider Speichersysteme besonders f\u00fcr den Einsatz in Hybridfahrzeugen wird von durch Skeleton Technologies und der Black Magic GmbH vorangetrieben. \u201eDiese Autos spielen eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle beim \u00dcbergang von herk\u00f6mmlichen Verbrennern zu Elektrofahrzeugen\u201c, ist sich Sebastian Pohlmann sicher. In ganz Europa werde mit Forschungsinstituten gearbeitet, von regionalen Instituten wie den Universit\u00e4ten in Halle, Leipzig, Jena und Dresden, bis hin zu internationalen Universit\u00e4ten in Toulouse, Bologna, Tampere und Tallinn. \u201eWir sind ein sehr junges Unternehmen, daher ist es notwendig, dass wir bestehende Kooperationen aufrechterhalten und neue bilden. Die gro\u00dfen Automotive-Unternehmen haben sich lange Zeit zu langsam bewegt in Richtung New Mobility. Diesen Fehler wollen wir uns nicht leisten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders auf dem Gebiet Automotive ist die Technik von gr\u00f6\u00dftem Interesse. Nicht nur wegen der m\u00f6glichen R\u00fcckgewinnung von Bremsenergie, sondern unter anderem auch wegen der Verringerung der Emissionen. Und wo nun w\u00e4re ein solch spezialisiertes Unternehmen besser aufgehoben als in Sachsen-Anhalt? Hier, wo seit der Gr\u00fcndung des Vereins Deutscher Ingenieure die Wiege der Ingenieurskunst steht. Wo schon seit jeher an der Zukunft des Automobils gearbeitet wird? Immerhin f\u00e4hrt schon heute in jedem in Deutschland produzierten Auto ein Teil aus Sachsen-Anhalt mit! Der Gedanke, sich im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen niederzulassen, war nicht abwegig, als die Black Magic GmbH sich entschloss, ihr Material unter einem Dach zu produzieren. Dieses sollte in Deutschland stehen, obwohl die Skeleton Technologies Group ein estnisches Unternehmen ist und die Grundlagen f\u00fcr ihre Ultrakondensatoren in Estland entwickelt wurden. Man habe sich, erz\u00e4hlt Sebastian Pohlmann, unter mehreren Standorten bewusst f\u00fcr Bitterfeld-Wolfen entschieden. \u201eZum einen, weil hier die Unterst\u00fctzung durch den Chemiepark und die lokale Verwaltung sehr gut ist. Zum anderen, nicht nur die gute Verkehrsanbindung f\u00fcr eine optimale Lage spricht, sondern auch die M\u00f6glichkeit, gute Fachkr\u00e4fte zu gewinnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Personal wird die Black Magic GmbH in absehbarer Zeit ben\u00f6tigen. Knapp zehn Mitarbeiter &#8211; Chemiker und Ingenieure vor allem &#8211; besch\u00e4ftigt sie momentan, in n\u00e4herer Zeit sollen es 20, nach dem Aufbau der skalierten Produktion bis zu 50 werden. Dann sollen mehrere Hundert Tonnen gekr\u00fcmmtes Graphen pro Jahr hergestellt werden. Momentan liegt die Kapazit\u00e4t noch unter zehn Tonnen pro Jahr. Damit ist die Black Magic GmbH zwar bereits weltgr\u00f6\u00dfter Hersteller des Materials, f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Kundenauftr\u00e4ge reicht die Menge dennoch nicht aus. Dies soll sich aber nach der Skalierung in zwei bis drei Jahren \u00e4ndern; Investorengespr\u00e4che laufen derzeit. Die Verleihung des Hugo-Junkers-Preises f\u00fcr Forschung und Innovation des Landes Sachsen-Anhalt&nbsp; deutet daraufhin, dass der Weg der Black Magic GmbH ein erfolgreicher sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Autorin: Anja Falgowski, IMG Sachsen-Anhalt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(06.07.2020) Die Black Magic GmbH im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen ist weltgr\u00f6\u00dfter Hersteller von gekr\u00fcmmtes Graphen, welches in Ultrakondensatoren zum Einsatz kommt. 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