{"id":1433,"date":"2020-07-07T20:42:46","date_gmt":"2020-07-07T18:42:46","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1433"},"modified":"2020-07-10T14:53:04","modified_gmt":"2020-07-10T12:53:04","slug":"schiffbauer-aus-sachsen-anhalt-bauen-das-weltweit-erste-elektro-schubboot-fuer-binnengewaesser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1433","title":{"rendered":"Schiffbauer aus Sachsen-Anhalt bauen weltweit erstes Elektro-Schubboot"},"content":{"rendered":"\n<p>(07.07.2020) Das weltweit erste Schubboot f\u00fcr Binnengew\u00e4sser, das nur mit Strom aus Batterien und wasserstoffgespeisten Brennstoffzellen f\u00e4hrt, entsteht derzeit auf einer Schiffswerft in Derben an der Elbe. ELEKTRA, so dessen Name, ist ein Beispiel f\u00fcr klima- und umweltfreundliche Mobilit\u00e4t aus Sachsen-Anhalt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur auf den Stra\u00dfen und in der Luft geh\u00f6rt dem emissionsfreien Verkehr die Zukunft. Gleiches soll demn\u00e4chst auch f\u00fcr den Schiffstransport von Waren und Menschen auf dem Wasser gelten.&nbsp; Firmen zwischen der Altmark und dem Burgenlandkreis stellen sich den Herausforderungen im Schwerpunkt New Mobility der Regionalen Innovationsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Schiffswerft Hermann Barthel aus Derben, einem Ortsteil von Elbe-Parey, ist dabei. Das seit \u00fcber 200 Jahren Familiengef\u00fchrte Unternehmen hat schon viele Schiffe gebaut, einige davon bis zu 80 Meter lang, neun Meter breit und mit bis zu 1,3 Meter Tiefgang. Derzeit arbeiten die rund drei Dutzend Werftmitarbeiter an einem neuartigen, rein elektrisch angetriebenen Schubboot f\u00fcr die Binnenschifffahrt auf Elbe, Havel und den Berliner Binnengew\u00e4ssern. Das rund 140 Tonnen schwere Schubboot ist das erste seiner Art weltweit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/mitarbeiter-barthel-werft.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1434\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/mitarbeiter-barthel-werft.jpg 1024w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/mitarbeiter-barthel-werft-300x225.jpg 300w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/mitarbeiter-barthel-werft-768x576.jpg 768w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/mitarbeiter-barthel-werft-650x488.jpg 650w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/mitarbeiter-barthel-werft-261x196.jpg 261w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/mitarbeiter-barthel-werft-540x406.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Mitarbeiterfoto der Barthelwerft,  Quelle: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.barthel-werft.de\/\" target=\"_blank\">www.barthel-werft.de<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es basiert auf Planungen und Konzeptstudien eines Forscherteams um Professor Gerd Holbach, Leiter des Fachgebiets Entwurf Maritimer Systeme\u00a0der TU Berlin. F\u00fcr die Realisierung des Projektes haben sich acht Partner aus universit\u00e4rer Forschung und Industrie zusammengetan &#8211; darunter die Schiffswerft Hermann Barthel, die von weiteren regionalen Unternehmen unterst\u00fctzt wird. Die Aussicht, damit etwas in die Zukunft weisendes zu tun, lie\u00df Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dipl.-Ing. Hermann Barthel nicht lange z\u00f6gern, als die Frage nach der Zusammenarbeit bei dem Projekt \u201eBrennstoffzellen-Schubschiff\u201c anstand.\u00a0<br>  <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">400 km ohne Zwischenhalt<\/h4>\n\n\n\n<p>Die auff\u00e4lligste Neuerung gegen\u00fcber konventionellen Schubbooten ist der Verzicht auf einen Dieselmotor. Damit entstehen auch keine klimasch\u00e4dlichen Emissionen wie Kohlendioxid, Dieselru\u00df und Stickoxide. F\u00fcr eine Schubkraft von bis zu 1400 Tonnen sorgen moderne Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Akkus aus den Niederlanden und drei Niedertemperatur-Brennstoffzellen eines kanadischen Unternehmens. Zusammen mit den sechs Wasserstoffdruckbeh\u00e4ltern nehmen sie einen Gro\u00dfteil der Fl\u00e4che des Schiffdecks hinter dem Steuerhaus ein. Deshalb verl\u00e4ngerte sich auch die Schiffsl\u00e4nge im Vergleich mit einem konventionellen Schubboot um etwa drei&nbsp;auf 20 Meter. Aber das ist kein Problem. Zusammen mit dem 65 Meter langen Transportkahn, dem so genannten Schwergutleichter Ursus, wird der Schubverband alle Schleusen auf dem Weg zwischen Berlin und Hamburg passieren k\u00f6nnen. \u201eWir erwarten, die rund 400 Kilometer lange Strecke mit einer Schublast von 1400 Tonnen ohne Zwischenhalt zum Energieaufnehmen durchzufahren zu k\u00f6nnen\u201c, sagt Professor Holbach. Das ist durch wahlweise Hinzuschaltung der drei Wassergek\u00fchlten Brennstoffzellen m\u00f6glich. Zus\u00e4tzlich speist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach Strom in das Bordstromnetz. Ein ausgekl\u00fcgeltes Fahrassistenzsystem sorgt daf\u00fcr, dass der Energieverbrauch m\u00f6glichst gering ist und der Fahrplan optimal eingehalten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcblicherweise aus zwei bis drei Besatzungsmitgliedern bestehende Crew eines Schubbootes wird auch weiterhin gebraucht. Neue Ausbildungsberufe bedarf es nicht, nur Zusatzqualifikationen f\u00fcr den sicheren Umgang mit der Wasserstofftechnologie und den Lithium-Akkumulatoren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Noch vor Jahresende 2020 soll der Stapellauf der ELEKTRA auf der Schiffswerft in Derben erfolgen. Danach folgen ausf\u00fchrliche Tests auf den Berliner Wasserstra\u00dfen und Fahrten, ausgehend vom Heimathafen der ELEKTRA, dem Berliner Westhafen, in dem auch der sp\u00e4tere Eigner des Schiffs, die Berliner Hafen und Lagerhausgesellschaft, ihren Hauptsitz hat. K\u00fcnftig soll das Schubboot u.a. mehrere hundert Tonnen schwere Siemens-Gasturbinen, die in Berlin gefertigt werden, zum Exporthafen Hamburg bef\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Praxistest muss beweisen, dass elektrische Schubschiffe, neben ihrer Umwelt- und Klimafreundlichkeit, auch sicher und konkurrenzf\u00e4hig gegen\u00fcber konventionellen Binnenfrachtern sind. Dann wird man vielleicht schon in wenigen Jahren weitere emissionsfreie Schiffe auf europ\u00e4ischen Gew\u00e4ssern sehen. Menschen und Natur k\u00f6nnten nicht nur von einer saubereren Luft profitieren, sondern auch von einer deutlich geringeren Ger\u00e4uschbel\u00e4stigung. Im Unterschied zu herk\u00f6mmlichen Schiffsmotoren arbeiten Brennstoffzellen und Batterien nahezu lautlos.<br>  <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Optimale trimodale Anbindung in Magdeburg<\/h4>\n\n\n\n<p>In der Diskussion ist derzeit der Auf- und Ausbau von \u201eTankstationen\u201c, in denen \u201egr\u00fcne\u201c Schiffe Wasserstoffbeh\u00e4lter und Strom nachladen k\u00f6nnen. Der Industriehafen Magdeburg-Rothensee bietet sich durch seine optimale trimodale Anbindung an das Autobahn-, Eisenbahn- und Wasserstra\u00dfennetz daf\u00fcr an. Nicht nur der G\u00fcterfrachtverkehr d\u00fcrfte in Zukunft eine Abkehr vom Schiffsdiesel erleben, erwartet Professor Holbach. Auch auf Hausboten und Fahrgastschiffen k\u00f6nnten sich emissionsfreie Antriebstechniken mehr und mehr durchsetzen, wenn die politisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mehr gr\u00fcne Mobilit\u00e4t zulassen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Autor: Uwe Seidenfaden, IMG Sachsen-Anhalt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(07.07.2020) Das weltweit erste Schubboot f\u00fcr Binnengew\u00e4sser, das nur mit Strom aus Batterien und wasserstoffgespeisten Brennstoffzellen f\u00e4hrt, entsteht derzeit auf einer Schiffswerft in Derben an der Elbe. 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