{"id":1570,"date":"2020-08-19T16:15:01","date_gmt":"2020-08-19T14:15:01","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1570"},"modified":"2020-08-26T18:01:22","modified_gmt":"2020-08-26T16:01:22","slug":"stabilitaetsanker-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1570","title":{"rendered":"Stabilit\u00e4tsanker Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>(19.08.2020) Die politischen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie haben in vielen Wirtschaftsbereichen zu Umsatzverlusten gef\u00fchrt und zum Teil existenzbedrohende Ausma\u00dfe angenommen. Die Landwirtschaft gilt seit jeher als Stabilit\u00e4tsanker, denn gegessen wird ja bekanntlich immer. Welche Folgen der Corona-Shutdown in der Landwirtschaft hatte, erkl\u00e4rt Urban J\u00fclich, Vorsitzender des Bauernverbandes \u201eB\u00f6rde\u201c e.V.:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1571\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-300x199.jpg 300w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-768x511.jpg 768w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-2048x1362.jpg 2048w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-650x432.jpg 650w, https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/urbanjuelich-1320x878.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Urban J\u00fclich, Vorsitzender des Bauernverbandes \u201eB\u00f6rde\u201c e.V<strong>.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich kennt die Landwirtschaft krisenhafte Situationen. D\u00fcrresommer oder Jahrhunderthochwasser, BSE oder Milchpreiskrise sind Beispiele, wo auch die Landwirtschaft auf politische Hilfen zu deren Bew\u00e4ltigung angewiesen war. Spurlos sind auch die letzten Monate nicht an der Landwirtschaft vorbeigegangen. So hatten Landwirte, die beispielsweise ein Bauernhofcaf\u00e9 betreiben oder Unterk\u00fcnfte anbieten genauso unter Umsatzverlusten auf einem wichtigen Standbein zu leiden. Die Krise zeigte, dass die Landwirtschaft in unserer Region eine Zukunft haben muss und haben wird. Denn in den meisten Landwirtschaftsbetrieben lief die Produktion mit wenigen \u00c4nderungen weiter, bekam man doch die gro\u00dfe Bedeutung einer gesicherten Ern\u00e4hrung aus heimischer Produktion vor Augen gef\u00fchrt. So war es systemrelevant, dass Tiere weiter versorgt werden oder die notwendigen Arbeiten auf den \u00c4ckern und Wiesen weiter erledigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nie dagewesenen Ma\u00dfnahmen der Politik zum Abbremsen der Ausbreitung des Corona-Virus hatten aber auch im Bereich der landwirtschaftlichen Urproduktion Folgen. \u00d6ffentlich pr\u00e4sent war die Arbeitskr\u00e4fteverf\u00fcgbarkeit in den Saisonarbeitsbetrieben, die zu einem Gro\u00dfteil nur noch Erntehelfer aus dem osteurop\u00e4ischen Ausland f\u00fcr die teilweise beschwerlichen Arbeiten finden k\u00f6nnen. Die Bundesregierung lie\u00df jedoch eine Anreise der Erntehelfer unter Auflagen zu. Von Grenzschlie\u00dfungen waren zum Teil auch andere Landwirte betroffen, die festangestellte Mitarbeiter aus dem benachbarten Ausland besch\u00e4ftigen. In geringem Umfang betraf das in der B\u00f6rde einige tierhaltende Betriebe, die nicht unter die Sonderregelung der Saisonbetriebe fielen, aber dennoch in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt ihre Arbeitskr\u00e4fte weiterbesch\u00e4ftigen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Probleme der Logistikbranche mit Grenzschlie\u00dfungen behinderten auch Warenstr\u00f6me, von denen Landwirte abh\u00e4ngig sind, zum Beispiel bei Betriebsmitteln wie Saatgut, D\u00fcnger oder Ersatzteile f\u00fcr Landmaschinen. F\u00fcr viele Verbraucher sp\u00fcrbar wurden diese Schwierigkeiten in der Logistik jedoch im Laden, weil zum Beispiel keine haltbare Milch mehr zu kaufen war. Die globale Arbeitsteilung f\u00fchrte dazu, dass pl\u00f6tzlich keine Tetra-Packs mehr just-in-time verf\u00fcgbar waren und die Milch nicht mehr \u00fcberall abgef\u00fcllt und in die L\u00e4den gebracht werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine direkte und sehr schmerzliche Folge haben die Ma\u00dfnahmen der Politik zur Schlie\u00dfung der Gastronomie und zum Verbot s\u00e4mtlicher Gro\u00dfveranstaltungen. Denn die spezialisierten Lieferanten erlebten einen kompletten Stopp der Nachfrage, zum Beispiel nach Sahne, Rindfleisch oder Pommes. In der B\u00f6rde haben wir einen sehr starken Verarbeitungsbetrieb f\u00fcr Chips- und Pommeskartoffeln. Ohne eine stete Nachfrage aus der Gastronomie k\u00f6nnen auch keine Kartoffeln verarbeitet werden, wenn die L\u00e4ger ausgelastet sind. Und so blieben einige Kartoffelanbauer auf ihren Pommeskartoffeln sitzen, da sie wegen ihrer \u00dcbergr\u00f6\u00dfe auch nicht als Speisekartoffeln oder in andere Verarbeitungsschienen abgegeben werden k\u00f6nnen. F\u00fcr unseren Betrieb kam unter dem Strich ein Verlust von einigen hunderttausend Euro zustande.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch blicken wir optimistisch in die Zukunft und setzen auf Ausgleich durch unsere anderen Standbeine im Ackerbau, der Tierhaltung oder der Erzeugung von erneuerbaren Energien. Dabei hoffen wir auf die Einsicht der Politik, dass k\u00fcnftig bei der Gestaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen das Wohl unserer Betriebe f\u00fcr eine Gew\u00e4hrleistung der Versorgung unserer Bev\u00f6lkerung mit Nahrungsg\u00fctern aus heimischer Produktion im Fokus steht. Trotz globalisierter M\u00e4rkte und Warenstr\u00f6me braucht die Nahrungssicherung aus nationaler Erzeugung wieder einen h\u00f6heren Stellenwert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(19.08.2020) Die politischen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie haben in vielen Wirtschaftsbereichen zu Umsatzverlusten gef\u00fchrt und zum Teil existenzbedrohende Ausma\u00dfe angenommen. Die Landwirtschaft gilt seit jeher als Stabilit\u00e4tsanker, denn gegessen wird ja bekanntlich immer. 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