{"id":1589,"date":"2020-08-27T21:25:16","date_gmt":"2020-08-27T19:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1589"},"modified":"2020-09-02T09:59:14","modified_gmt":"2020-09-02T07:59:14","slug":"ihk-magdeburg-konjunktur-auf-niveau-der-weltfinanzkrise-wir-fahren-nur-auf-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftspost-online.de\/?p=1589","title":{"rendered":"IHK Magdeburg: Konjunktur auf Niveau der Weltfinanzkrise \u2013  Wir fahren nur auf Sicht"},"content":{"rendered":"\n<p>(27.08.2020) Die Corona-Pandemie hat Sachsen-Anhalt weiter im Griff. Das Bruttoinlandsprodukt geht rasant zur\u00fcck. Die Arbeitslosenzahlen steigen. Diese Entwicklung h\u00e4lt seit mehreren Monaten an. Auf der Grundlage von 3 IHK-Blitzumfragen, die wir im M\u00e4rz und April in Auftrag gegeben hatten, beurteilte die H\u00e4lfte aller Unternehmen ihre aktuelle Lage als schlecht. Bei 65 Prozent gingen die Ums\u00e4tze im Vergleich zum Vorjahresquartal zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere aktuelle Konjunkturumfrage f\u00fcr das 2. Quartal hat diese Lage- und Erwartungswerte nunmehr best\u00e4tigt. Die Konjunktur im n\u00f6rdlichen Sachsen-Anhalt hat sich auch im 2. Quartal stark eingetr\u00fcbt.&nbsp; Der Gesamtklimaindex liegt bei 75,6 von maximal 200 m\u00f6glichen Punkten und damit auf dem gleichen Niveau wie Anfang 2009 w\u00e4hrend der Weltfinanzkrise. Nur ein Viertel der befragten Unternehmen bewertet ihre aktuelle Gesch\u00e4ftslage bereits wieder mit gut. Sehr skeptisch sind die Unternehmen, was die k\u00fcnftige Gesch\u00e4ftsentwicklung angeht. Knapp die H\u00e4lfte rechnet mit einem ung\u00fcnstigeren Verlauf. Diese Unsicherheiten spiegeln sich auch in den Exportwartungen wider. Gut ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer weiteren Verschlechterung des Auslandsgesch\u00e4fts.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob und wie genau diese Prognosen eintreten, h\u00e4ngt nat\u00fcrlich davon ab, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. Wie geht es mit der Weltwirtschaft weiter? Bleiben die sich gerade wieder stabilisierten Zulieferketten intakt? Auf diese Fragen gibt es derzeit keine verl\u00e4sslichen Antworten. <strong>Wir fahren nur auf Sicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie l\u00e4uft die Konjunktur in den einzelnen Branchen zwischen Altmark und Harz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Stimmung im <strong>verarbeitenden Gewerbe<\/strong> ist entsprechend der Gesamtlage schlecht. Alle Teilbranchen berichten \u00fcber deutliche Einbu\u00dfen sowohl im Inlands- als auch im Auslandsgesch\u00e4ft. Bei jedem zweiten Unternehmen gehen die Auftr\u00e4ge zur\u00fcck. Der Blick in die Zukunft f\u00e4llt nicht optimistischer aus. 42 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Gesch\u00e4ftslage. Mehr als ein Drittel geht von r\u00fcckl\u00e4ufigen Exporten aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Bauwirtschaft<\/strong> im Norden Sachsen-Anhalts blickt auf ein ausk\u00f6mmliches 2. Quartal zur\u00fcck. Vier von zehn Unternehmen berichten von einer guten Gesch\u00e4ftslage. Dennoch scheint auch diese Branche nicht frei von coronabedingten Einwirkungen. Die Anzahl der Auftragseing\u00e4nge ist laut 50 Prozent der Befragten sp\u00fcrbar r\u00fcckl\u00e4ufig. Bei den Auftragsreichweiten ist die Entwicklung dennoch positiv. Waren zum Jahresende 2019 noch vier von zehn Unternehmen f\u00fcr mehr als 4 Monate ausgelastet, sind es zum Ende des 2. Quartals die H\u00e4lfte der Unternehmen. Von einer Fortsetzung der aktuell guten Baukonjunktur geht die Branche aber nicht aus. 63 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer schlechteren Gesch\u00e4ftsentwicklung. Sorgen macht insbesondere die r\u00fcckl\u00e4ufige Nachfrage. Sie vergr\u00f6\u00dfert die Unsicherheit, ob der Corona-Schock nicht doch im zweiten Halbjahr eintreten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>Handel<\/strong> sind die Stimmungswerte zur Jahresmitte relativ ausgeglichen. Das h\u00e4ngt mit der sehr unterschiedlichen Verfassung des Gro\u00df- und des Einzelhandels zusammen. Der Einzelhandel bewertet die Lage im vergangenen Quartal insgesamt mehrheitlich positiv. Das ist jedoch haupts\u00e4chlich auf die sehr ausk\u00f6mmliche Lage spezieller Facheinzelh\u00e4ndler zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese k\u00f6nnen die teils massiven Probleme anderer Einzelh\u00e4ndler kompensieren \u2013 allerdings nur im konjunkturellen Gesamtbild. Die Lage im Gro\u00dfhandel ist komplett anders. Dieser meldet mehr Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge als -zuw\u00e4chse. Was die k\u00fcnftige Entwicklung betrifft, regiert unisono Skepsis.<\/p>\n\n\n\n<p>Die konjunkturelle Stimmung im <strong>Gastgewerbe<\/strong> ist trotz aller im Verlauf des 2. Quartal erfolgten Lockerungen im Keller. Sieben von zehn befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Gesch\u00e4ftslage mit schlecht. So schlecht wie seit 20 Jahren nicht mehr. Bei fast allen Unternehmen &#8211; exakt sind es 95 Prozent &#8211; gingen die Ums\u00e4tze zur\u00fcck. Was die zweite Jahresh\u00e4lfte betrifft, rechnen 50 Prozent der Unternehmen mit einem schlechteren Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im <strong>Verkehrsgewerbe <\/strong>ist die konjunkturelle Lage angespannt. Vier von zehn Unternehmen blicken auf ein unbefriedigendes Quartal zur\u00fcck. \u00dcber 60 Prozent geben sinkende Ums\u00e4tze bzw. ein geringeres Bef\u00f6rderungsvolumen an. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass die Gesch\u00e4fte im zweiten Halbjahr schlechter laufen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Dienstleistungsbranche<\/strong> beendet das 2. Quartal leicht im Plus. Schaut man aber genauer hin, wird deutlich, dass sowohl die unternehmens- als auch personenbezogenen Dienstleister auf entbehrungsreiche Monate zur\u00fcckblicken. Beide Teilbranchen berichten \u00fcber deutliche Umsatzeinbu\u00dfen und drastisch gesunkene Auftragseing\u00e4nge. An eine Belebung in den kommenden Monaten scheint auch diese Branche nicht zu glauben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kann die Wirtschaft in diesen unruhigen Zeiten unterst\u00fctzt und gest\u00e4rkt werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nur langsam schreitet die Erholung voran. Insbesondere Unternehmen aus dem Veranstaltungs-bereich, der Reisewirtschaft, aber auch kleinere Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe k\u00f6nnen noch immer nicht betriebswirtschaftlich kostendeckend arbeiten. Wann dies wieder der Fall sein wird? Niemand wei\u00df es. Es gibt viele Annahmen und Szenarien, aber letztlich sind alle ungewiss.Vor allem besch\u00e4ftigt uns, ob es in den Herbstmonaten zu einer zweiten Infektionswelle und einem m\u00f6glichen zweiten Lockdown kommen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Lockdowns mit Beginn im M\u00e4rz wurde seitens der Regierungen in Land und Bund wirtschaftspolitisch bisher vieles gut gemacht. Durch die Soforthilfe, die Erweiterung des Kurzarbeitergeldes, die Erleichterung beim Zugang zu F\u00f6rderprogrammen und Zusch\u00fcssen zur Liquidit\u00e4tsverbesserung konnten Unternehmen relativ zeitnah Unterst\u00fctzung erhalten. Auch die nachfolgenden Ma\u00dfnahmen, wie \u00dcberbr\u00fcckungshilfen, das im Juni verabschiedete Steuerhilfegesetz oder die Ma\u00dfnahmen des Bundeskonjunkturprogramms zielen darauf ab, f\u00fcr die Wirtschaft in Deutschland die bestm\u00f6glichen Voraussetzungen zu schaffen, diese Krise zu \u00fcberstehen und die Wirtschaft nachhaltig zu st\u00e4rken. Begr\u00fc\u00dfenswert ist auch, dass die Europ\u00e4ische Kommission eine Anpassung der Beihilfevorschriften vorgenommen hat, so dass Unternehmen, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, weiter von Entlastungsregelungen im Energiebereich wie der EEG-Umlagebegrenzung profitieren k\u00f6nnen. Dies entspricht Entlastungen von rund 5 Milliarden Euro j\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch ist aus Sicht der IHK Magdeburg in Aufarbeitung der Krise noch immer Verbesserungspotenzial vorhanden. Um die hiesige Wirtschaft in Zeiten von Corona weiter zu st\u00fctzen und die offengelegten Schwachstellen anzugehen, bedarf es weiterer Ma\u00dfnahmen. So kann die Ausgangssituation f\u00fcr das Land Sachsen-Anhalt, falls es eine weitere Welle geben sollte, deutlich verbessert und die Unternehmen als auch die \u00f6ffentliche Verwaltung widerstandsf\u00e4higer und flexibler aufgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Stichwort \u00dcberbr\u00fcckungshilfe. Hier besteht die Notwendigkeit, dass diese f\u00fcr einzelne betroffene Branchen \u00fcberarbeitet wird. Gerade f\u00fcr Branchen mit geringen Fixkosten ist die jetzige Form der \u00dcberbr\u00fcckungshilfe nicht zweckm\u00e4\u00dfig. Das hat die Praxis gezeigt. &nbsp;W\u00e4hrend des Lockdowns wurde auch mehr als deutlich, dass Digitalisierung nicht mehr nur ein hehres Ziel oder abstraktes Konstrukt ist, sondern eine Schl\u00fcsselkompetenz, um auch in solch unvorhergesehenen und global auftretenden Krisensituationen bestm\u00f6glich arbeitsf\u00e4hig zu bleiben. Und dies gilt nicht nur f\u00fcr Unternehmen, sondern selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr die \u00f6ffentliche Verwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>In Krisenzeiten m\u00fcssen \u00f6ffentliche Verwaltungsvorg\u00e4nge digital nutzbar und jederzeit verf\u00fcgbar sein, beispielsweise die Zulassung von Kraftfahrzeugen oder die Ausschreibung und Genehmigung von Bauvorhaben. Daher ist es aus unserer Sicht unerl\u00e4sslich, schnellstm\u00f6glich die Verwaltung auf allen Prozessebenen umfassend zu digitalisieren. Damit einhergehend ist es zwingend geboten, qualifiziertes Personal aufzustocken und den Mitarbeiterbestand insgesamt konsequent weiterzubilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit eng verkn\u00fcpft ist auch der Abbau von B\u00fcrokratie. Daf\u00fcr setzt sich die IHK Magdeburg seit Jahren ein. Aus unserer Sicht ist es besonders in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten erforderlich, die B\u00fcrokratielast zu senken und die bestehenden Forderungen der deutschen Wirtschaft umzusetzen. Medienbruchfreie Antragsverfahren und durchg\u00e4ngig digitale Verwaltungsvorg\u00e4nge k\u00f6nnen dazu einen Beitrag leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gleichen Forderungen lassen sich auch auf die aktuelle Situation an den allgemein- oder berufsbildenden Schulen \u00fcbertragen. Sachsen-Anhalt muss schnellstm\u00f6glich einen konkreten Umsetzungsplan f\u00fcr die fl\u00e4chendeckende und schulform\u00fcbergreifende Digitalisierung der Schulen erstellen. Eine \u201eschulscharfe Liste\u201c k\u00f6nnte f\u00fcr alle Beteiligten mehr Transparenz zum Planungs- und Umsetzungsstand herstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die IHK Magdeburg vertritt rund 1800 Ausbildungsunternehmen, die sich engagiert f\u00fcr eine fundierte Allgemeinbildung als Voraussetzung f\u00fcr eine gute Berufsausbildung einsetzen. Es kann daher nicht sein, dass Schulbildung in Krisenzeiten davon abh\u00e4ngt, wie gut die jeweilige Schule ausgestattet ist, sowohl in technischer Hinsicht als auch im Vorhandensein qualifizierten Personals. Hier m\u00fcssen einheitliche Standards erreicht werden. Einheitliche Standards sind auch das richtige Stichwort, wenn es um die Eind\u00e4mmungsverordnungen der einzelnen Bundesl\u00e4nder geht. Um der Wirtschaft mehr Sicherheit zu geben, sollte aus unserer Sicht ein Ziel sein, eine bundeseinheitliche Vorgehensweise bei neuen Coronaausbr\u00fcchen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Export. So wie der Virus die gesamte Welt erfasst hat, so sind wir auch alle wirtschaftlich miteinander verflochten. Unter keinen Umst\u00e4nden darf die Pandemie dazu f\u00fchren, dass der weltweite Protektionismus zum Standard wird. Die Unternehmen in Sachsen-Anhalt sind auf einen freien Personen- und Warenverkehr und einen starken EU-Binnenmarkt angewiesen. Die IHK Magdeburg wird daher konsequent daf\u00fcr eintreten, dass die Bundesregierung und die EU verst\u00e4rkt Freihandels-abkommen vorantreiben und dar\u00fcber hinaus anstelle eines deutschen ein EU-Lieferkettengesetz beschlossen wird, damit unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb keine Benachteiligung erfahren.<br> <\/p>\n\n\n\n<p>Torsten Scheer<br>Pressesprecher<br>Industrie- und Handelskammer Magdeburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(27.08.2020) Die Corona-Pandemie hat Sachsen-Anhalt weiter im Griff. Das Bruttoinlandsprodukt geht rasant zur\u00fcck. Die Arbeitslosenzahlen steigen. 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