Interview mit Claus Mangels

Claus Mangels, 1991-2002 Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Magdeburg, Vorsitzender des Magdeburger BUGA-Fördervereins, Mitbegründer des Stadtmarketingvereins „Pro Magdeburg“ und Vorstandsvorsitzender des „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ e. V.

Sehr geehrter Herr Mangels, wie haben Sie den Neuanfang in den ersten Jahren nach der Wende bei der Stadtsparkasse Magdeburg erlebt?

Auf meine Initiative als damaliger stellvertretender Vorstand der Kreissparkasse Hannover begann im Dezember 1989 ein Projekt zur Unterstützung der Magdeburger Stadtsparkasse bei der Überleitung „in die neue Welt“ der Kreditwirtschaft. Am Tag nach Weihnachten begann meine erste Fahrt nach Magdeburg. Im Kofferraum meines Kombi hatte ich unter anderem mehrere Pakete Kopierpapier, eine elektronische Schreibmaschine sowie anderen Bürobedarf aus dem Bestand der Kreissparkasse Hannover. Ich hatte keine Vorstellung, was mich erwartete. Aus diesem Kontakt ergab sich ein Beratervertrag für und mit der Magdeburger Sparkasse.

Bald stellte sich heraus, dass es darum gehen würde, die bewährte Sparkassenstruktur aus dem Westen nun auch in Magdeburg einzuführen. Dies war nur mit qualifizierten Mitarbeitern möglich. Deshalb sorgte ich dafür, dass wir so schnell wie möglich junge Menschen dafür gewinnen konnten, eine Ausbildung bei uns zu beginnen. Unter den Auszubildenden waren einige Studenten, die ihr aussichtloses DDR-Studium abgebrochen hatten, um sich eine neue Perspektive als Sparkassenmitarbeiter aufzubauen. Aus vielen von ihnen wurden bald zuverlässige Führungskräfte, die uns auf dem Weg in die Marktwirtschaft bis heute begleitet haben. Außerdem gelang es mir, einige gestandene Fachkräfte aus westdeutschen Sparkassen für eine Aufgabe in Magdeburg zu gewinnen.

Nachdem ich ab Februar 1991 zum Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse Magdeburg bestellt wurde, entwickelten wir unser Geldinstitut in wenigen Jahren zu einer Einrichtung, die sich mit vergleichbaren westdeutschen Sparkassen messen konnte. Auch wenn anfangs alles ein Abenteuer war, verfügten wir doch bald über modernste Technik, die es uns ermöglichte, die Wünsche unserer Kunden zu erfüllen. Trotzdem kam es beispielsweise zu Komplikationen, als unsere Privatkunden Unmengen an Bestellungen in westdeutschen Versandhäusern auslösten und die unübersichtlichen Rechnungsvordrucke der überforderten Anbieter zu Verwirrungen bei den Kunden und unseren Bearbeiterinnen führten.
Viele organisatorische Probleme konnten wir durch Einsatz moderner Technik lösen, beispielsweise investierten wir schon früh in einen so genannten elektronischen Belegleser, der mit dem Großrechner der niedersächsischen Sparkassenorganisation verbunden war. Damit war unsere Sparkasse in den neuen Bundesländern einer der Vorreiter der  heutigen Digitalisierungsstrategie.

Aber die Rationalisierung hatte auch Folgen für unser Personal. Zu Beginn der 90er Jahre hatten wir die Zahl unserer Mitarbeiter/Innen fast verdoppelt. Etliche Jahre später begann ein notwendiger Personalabbau. Dieser erfolgte durch Vorruhestandsregelungen und andere sozialverträgliche Maßnahmen. Aber niemand ist dadurch ins soziale Abseits geraten, und ich konnte allen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gesicht sehen.

Welche Rolle spielte die Stadtsparkasse Magdeburg als Partner der Geschäftskunden?

Die Sparkassen waren und sind Institute, die traditionell vor allem im Privatkundengeschäft und im Geschäft mit dem gewerblichen Mittelstand ihre Stärken haben. Wir haben uns schon frühzeitig um die Gewinnung von Geschäftskunden bemüht und so ist auch der Marktanteil an Unternehmenskunden bis heute stetig gewachsen. Firmenkunden konnten wir an die Sparkasse binden, weil sie unseren Service bereits als Privatkunden schätzen gelernt hatten und ein Vertrauensverhältnis zu den ihnen bekannten Gesichtern hatten. Und natürlich haben wir uns auch mit unseren Produkten und Serviceleistungen auf die Wünsche der der Geschäftskunden eingestellt.

Neben Ihrer Tätigkeit als Sparkassenvorstand haben Sie auch ehrenamtliche Verantwortung in der Landeshauptstadt übernommen. Welche Rolle spielten Sie persönlich und die Stadtsparkasse Magdeburg bei der Ausrichtung der Bundesgartenschau in Magdeburg und bei der Begleitung des Stadtmarketingvereins „Pro Magdeburg“?

Als Initiator und Vorsitzender des Magdeburger BUGA-Fördervereins, für den ich mehr als 200 Mitglieder gewinnen konnte, war ich an der Seite des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Willi Polte ein verlässlicher Partner von Dr. Pantke, der als Geschäftsführer der BUGA Magdeburg GmbH  von unseren Visionen und Ideen profitieren konnte. Dr. Willi Polte und ich wollten die Stadt voranbringen und haben mit der BUGA unsere Landeshauptstadt attraktiver gemacht. Auch das überregionale Interesse an Magdeburg als Ausrichter der BUGA und die Beachtung der Medien waren riesig, was wir in zahlreichen Pressekonferenzen und Medienberichten spüren konnten.

Die Gründung des Stadtmarketingvereins „Pro Magdeburg“, in dem die Stadtsparkasse Magdeburg als Gründungsmitglied unter meinem Vorsitz agierte, entsprach dem Wunsch von Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper, die Attraktivität Magdeburgs durch einen  Verein lebendig und flexibel zu gestalten. Mit der Entscheidung für Steffen Schüller als erstem hauptamtlichen Geschäftsführer konnten wir eine Persönlichkeit gewinnen, die durch die Akquise von zahlreichen Unternehmen und Einbindung derer Marketingfachleute nicht nur sein eigenes Gehalt rechtfertigte, sondern auch mit eigenen Ideen und Konzepten vielfältige Akzente setzte und strategisch für ein gutes Image Magdeburgs innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen der Landeshauptstadt eintrat.

Meine Funktion als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ e. V. ist die Folge meiner Erfahrungen und Kontakte, die ich aus der BUGA-Zeit einbringen konnte. Ich freue mich, dass meine Meinung noch 20 Jahre nach der Vereinsgründung gefragt ist, und dass ich so die Initiative des Wirtschaftsministeriums unterstützen kann. Es bleibt zu hoffen, dass die Folgen und Entscheidungen infolge Corona  im Jubiläumsjahr der Gartenträume nicht nachhaltig negativ sind.

Herr Mangels, möchten Sie sich zur Situation der Sparkassen und der von ihr betreuten Unternehmen in der derzeitigen Krise äußern?

Die Sparkassen werden sich mit Bewältigung der Coronakrise wie schon nach der letzten Finanzkrise kurz schütteln und sich sicher schnell von den wirtschaftlichen Folgen erholen. Sollten einzelne Institute entgegen meiner Erwartung ernsthafter von den Corona-Auswirkungen betroffen sein, wird sie der Gesamtverbund der deutschen Sparkassen geräuschlos auffangen und unterstützen. Ähnlich wird es bei den Volksbanken sein. Gute Ratschläge für betroffene Unternehmen kann und werde ich nicht geben. In jedem Fall bedarf es hier einer Einzelfallbetrachtung. Nur mit einem Bündel aus verlorenen Zuschüssen, Kreditprogrammen, Eigeninitiative und guten Ideen und Konzepten können Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Sparkassen werden auch in schlechten Zeiten ein verlässlicher Partner ihrer Kunden bleiben.

Ich wünsche allen Akteuren der Sparkassen und ihren Kunden vor allem Gesundheit und eine baldige Genesung für angeschlagene Unternehmen.