Interview mit Matthias Kaschte

Interview mit Matthias Kaschte, Chef der Magdeburger Agentur für Arbeit: „Die Bundesagentur für Arbeit setzt bereits seit langem auf digitale Angebote.“

Sehr geehrter Herr Kaschte, wie setzen Sie Ihren Slogan „AGENTUR FÜR ARBEIT MAGDEBURG – bringt weiter“ im Hinblick auf die Unterstützung arbeitnehmerfreundlicher Arbeitgeber strategisch und im Alltag um?

Agentur für Arbeit Magdeburg und der Jobcenter bietet Unternehmen ein sehr vielfältiges Beratungs- und Dienstleistungsangebot. Von der Formulierung eines Anforderungsprofils, über die Vorauswahl von Bewerberinnen und Bewerbern bis hin zur finanziellen Förderung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten bieten wir ein breites Angebot.

Von welchen Förderprogrammen, die durch die Agentur für Arbeit bzw. die Jobcenter gesteuert werden, profitieren Unternehmer bzw. Arbeitgeber in besonderer Weise?

Die gesetzlichen Fördermöglichkeiten sind vielfältig. Welche Leistung in besonderer Weise unterstützt werden, ergibt sich aus dem individuellen Bedarf des Unternehmens. Durch Eingliederungszuschüsse können bei einer Neueinstellung beispielsweise erhöhte Einarbeitungsbedarfe finanziell ausgeglichen werden. Das Qualifizierungschancengesetz bietet dagegen die Möglichkeit, bereits im Unternehmen beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Anforderungen des zukünftigen Arbeitsmarktes zu qualifizieren. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe weiterer Fördermöglichkeiten. Interessierte Unternehmen können sich dazu vom gemeinsamen Arbeitgeber-Service beraten lassen.

Gibt es klassische Beispiele für das Wirken der Arbeitsagenturen, bei denen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen gleichermaßen unter einen Hut gebracht werden, zum Beispiel im Hinblick auf die Integration von benachteiligten Arbeitnehmergruppen wie Langzeitarbeitlosen oder schwerbehinderten Menschen?

Durch die Fördermöglichkeiten des im Jahr 2019 eingeführten Teilhabechancengesetztes ist es im Bezirk der Agentur für Arbeit Magdeburg sehr erfolgreich gelungen, langzeitarbeitslose Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das ist für alle Beteiligten positiv.
Oft haben Unternehmer wenig Zeit und Möglichkeiten, sich über das Arbeitskräftepotential von Schwerbehinderten und Langzeitarbeitslosen und die vielseitigen Fördermöglichkeiten zu informieren. Wir stellen diese Informationen und Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Das hilft Unternehmen dabei, Arbeitsstellen zu besetzen und den betroffenen Arbeitnehmern wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Wie hat sich die Rolle der Arbeitsagenturen durch die Krise verändert? Welche zusätzlichen Aufgaben nehmen Sie in dieser Situation wahr, wie verstehen Sie politische Verantwortung in diesem Zusammenhang und welche Gestaltungsspielräume nutzen Sie, abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten, um die negativen Auswirkungen für Arbeitgeber und Ihre Arbeitnehmer abzufangen?

Wir nehmen unsere Rolle als Wahrer des sozialen Friedens wahr und sichern derzeit mit oberster Priorität die Auszahlungen von Geldleistungen und die Bearbeitung von Kurzarbeitergeld ab. Dafür setzen wir auch Mitarbeiter ein, die bisher anderweitige Aufgaben erfüllt haben. Zusätzlich beraten und vermitteln wir auch in der Corona-Krise weiterhin Arbeitskräfte. Statt im persönlichen Gespräch findet die Beratung im Moment jedoch am Telefon statt.

Mit der Flut von Anträgen auf Kurzarbeit und die Kommunikationseinschränkungen durch Corona hat sich die Organisation Ihrer Arbeitsaufgaben sicher drastisch verändert. Lassen sich aus den Erfahrungen der letzten Wochen Erkenntnisse für die Zukunft ableiten? Gibt es Digitalisierungsmodelle, die sich in der Krise bewährt haben, und auch für dir Zukunft Bedeutung haben könnten?

Die Bundesagentur für Arbeit setzt bereits seit langem auf digitale Angebote, so ist es bereits seit 5 Jahren möglich, Arbeitslosengeld online zu beantragen. Auch für Unternehmen stehen attraktive digitale Angebote zur Verfügung. Das Vorhandensein dieser Kanäle hat sich in der aktuellen Krise bewährt, da wir dadurch schnell reagieren konnten und viele Anliegen kontaktlos bearbeiten können.
Unsere digitalen Angebote werden stetig weiterentwickelt. Für einige geplante Weiterentwicklungen bedarf es jedoch gesetzliche Änderungen, z.B. im Hinblick auf persönliche Identitätsfeststellungen oder notwendige postalische Zustellungen von Leistungsbescheiden.

Können Sie aus Ihrer Sicht konkrete Ansatzpunkte formulieren, wie Arbeitgeber sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen könnten? Sehen Sie vielleicht sogar Chancen oder konkrete vorzeigbare praktische Beispiele für intelligente Lösungen, wie Unternehmen von der sinnvollen Nutzung der Kurzarbeit oder anderer Instrumente Ihres Hauses Gebrauch gemacht oder für die Zukunft neue Kraft geschöpft haben?

Die aktuelle Krise ist für alle eine große Herausforderung. Insbesondere unter dem Aspekt der Digitalisierung kann sie Unternehmen aber auch Chancen bieten. Einige Unternehmen verwenden die Kurzarbeit dazu, mit Ihren Beschäftigten strategische Weiterentwicklungen vorzunehmen. Derzeit stellen wir fest, dass viele Unternehmen neue digitale Geschäftsfelder oder Kundenkanäle entwickeln. Auch die Form der Kommunikation mit Kunden oder innerhalb des Unternehmens verändert sich, Telefon- und Videoberatung gewinnen an Bedeutung. Wir arbeiten intensiv daran, diese Erwartungen zu erfüllen.

Haben Sie, sehr geehrter Herr Kaschte, eine Vermutung, welche drei Wünsche Unternehmer aus unserer Region mit höchster Priorität an Sie formulieren würden, wenn sie danach gefragt würden?

Aktuell erwarten Unternehmen von der Agentur für Arbeit Magdeburg insbesondere die zügige Gewährung des Kurzarbeitergeldes, gute Arbeitskräfte für systemrelevante Tätigkeiten und die Vermittlung von Auszubildenden und Fachkräften, um den langfristigen Erfolg des Unternehmens sicherzustellen. Wir arbeiten intensiv daran, diese Erwartungen zu erfüllen.

Letzte Frage in eigener Sache: Gibt es Themenfelder, bei denen Ihnen in Zukunft die Nutzung der Medien als Transportunternehmen für ihre Botschaften an die Wirtschaft unseres Landes besonders am Herzen liegt?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt in der Region Magdeburg und welche Angebote die Arbeitsagentur zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen bereitstellt, werden in den nächsten Monaten den Schwerpunkt unserer öffentlichen Kommunikation darstellen. Des Weiteren werden wir verschiedene Dienstleistungsangebote weiterentwickeln, auch darüber werden wir berichten.