Wirtschaftsminister: Gründer und Nachfolger nach Pandemie weiter unterstützen

(29.04.2021) Wirtschaftsminister Willingmann will Gründer und Unternehmensnachfolger nach der Pandemie weiter passgenau mi attraktive Darlehen und Zuschüssen unterstützen.
Dazu fordert die Handwerkskammer Magdeburg: „Meistergründungsprämie fortführen!“

In Sachsen-Anhalt suchen nach Angaben der gewerblichen Kammern jedes Jahr gut 700 Unternehmerinnen und Unternehmer eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Für etwa 200 von ihnen verläuft der Übergabeprozess nicht reibungslos. Daher hat Wirtschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann (Foto) vor vier Jahren die Förderung von Unternehmensnachfolgen und Gründungen forciert. Das Wirtschaftsministerium legte 2017 über die Investitionsbank (IB) den Mittelstands- und Gründerfonds, den KMU-Folgefonds sowie speziell für das Handwerk die Meistergründungsprämie neu auf.

Wie eine aktuelle Bilanz zeigt, sind diese Finanzierungsangebote sehr gut angenommen worden: Von 2017 bis Ende März 2021 wurden 527 Förderungen im Gesamtvolumen von gut 42,4 Millionen Euro durch die IB bewilligt. Mit 39,5 Millionen Euro entfällt der Großteil auf 235 Darlehen aus den beiden o.g. Fonds. Über die Meistergründungsprämie sind 292 Zuschüsse im Gesamtvolumen von 2,92 Millionen Euro für die Gründung oder Übernahme von Handwerksbetrieben ausgereicht worden.

Für Willingmann ist die starke Förderung von Gründungen und Nachfolgen ein Erfolgsrezept für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts: „Sachsen-Anhalt braucht dynamische Gründerinnen und Gründer, die unsere Wirtschaft mit neuen Ideen beleben und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Ebenso wichtig sind Menschen, die gestandene Unternehmen übernehmen und dadurch regionale Wirtschaftsstrukturen und Arbeitsplätze sichern. Mit unserer Unterstützung wollen wir weiterhin dazu beitragen, dass neue Unternehmen entstehen und dass zukunftsfähige Firmen nicht wegen fehlender Finanzierung bei der Übergabe unter die Räder kommen. Insbesondere nach der Corona-Pandemie wird es entscheidend darauf ankommen, unsere kleinen und mittelständischen Betriebe weiter mit passgenauen Finanzierungsangeboten zu unterstützen, damit sie schnellstmöglich an die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung vor der Pandemie anknüpfen können. Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft Sachsen-Anhalts, von ihm wird insofern auch der Aufschwung nach der Pandemie ganz entscheidend geprägt werden.“

Für Gründerinnen und Gründer sowie Unternehmensnachfolgerinnen und -nachfolger bietet die Investitionsbank aktuell drei attraktive Darlehen mit günstigen Zinsen und langen Laufzeiten. In Kooperation mit der jeweiligen Hausbank können über den Mittelstands- und Gründerfonds sowie den KMU-Folgefonds Finanzierungslücken geschlossen oder die komplette Finanzierung gestemmt werden. Der Vorteil: Da die IB im Vergleich zu Geschäftsbanken geringere Anforderungen an die Besicherung der Darlehen stellt, werden gerade bei Gründungen und Nachfolgen Finanzierungen ermöglicht, die andernfalls nicht zustande kommen würden. Für die Unterstützung von Gründungen sind seit 2017 insgesamt 126 Darlehen im Volumen von rund 10,15 Millionen Euro ausgereicht worden. Für 109 Nachfolgedarlehen flossen insgesamt ca. 29,34 Millionen Euro. Da beide Fonds revolvierend angelegt sind, werden aus Zinseinnahmen und dem Rückfluss durch Tilgungen fortlaufend Mittel zur Ausreichung neuer Darlehen erwirtschaftet.

Die Meistergründungsprämie ist Mitte 2017 vom Wirtschaftsministerium gestartet worden, um dem Gründungsgeschehen im Handwerk Schwung zu verleihen und Nachfolgen zu erleichtern. Handwerksmeisterinnen und -meister, die mindestens 15.000 Euro investieren, erhalten eine Prämie von 10.000 Euro, wenn sie in Sachsen-Anhalt einen Betrieb gründen oder übernehmen. Das besonders bürokratiearm ausgestaltete Förderinstrument erfreut sich anhaltend großer Beliebtheit: Zwischen 2017 und Ende März 2021 erhielten 292 Handwerksmeisterinnen und -meister die Prämie. Mit dem Gesamtzuschuss von 2,92 Millionen Euro ist ein Investitionsvolumen von insgesamt gut 17,7 Millionen Euro verbunden.


Hintergrund: Im Oktober 2020 hatte das Wirtschaftsministerium das neue Gründer-Portal des Landes gestartet. Der moderne Online-Auftritt unter hier-we-go.de ist die digitale Anlaufstelle für heimische Gründungswillige sowie Start-ups, die nach Sachsen-Anhalt kommen wollen. Angebote und Kontakte werden transparent gebündelt und lassen sich zudem nutzerorientiert und nach Regionen filtern.
Hier finden sich Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, Ansprechpartner, Beratungsstellen, Checklisten und Tipps sowie relevante Gesetze und Regelungen. Das Portal ist modern und übersichtlich aufgebaut, für alle mobilen Endgeräte geeignet (responsiv) und enthält auch interessante Gründergeschichten aus Sachsen-Anhalt.

Im aktuellen „KfW-Gründungsmonitor 2020“ belegt Sachsen-Anhalt im Ländervergleich Platz 12 – nach Platz 15 im Jahr zuvor. Im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 kam Sachsen-Anhalt auf 83 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige. In den Drei-Jahres-Zeiträumen davor waren es 77 (2016 bis 2018) bzw. 60 (2015 bis 2017).
Zum Vergleich: Thüringen verbuchte 2017 bis 2019 rund 71 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige, in Sachsen waren es 86.


Statement der Handwerkskammer Magdeburg zum Thema: „Meistergründungsprämie fortführen!“

Die Handwerkskammer Magdeburg begrüßt die heutige Ankündigung von Wirtschaftsminister Willingmann, Gründer und Unternehmensnachfolger nach der Pandemie weiter zu fördern und fordert vor diesem Hintergrund ein klares Bekenntnis der Landesregierung zur Fortsetzung der Meistergründungsprämie.

„Wie das Ministerium in seiner Pressemitteilung bilanziert, hat sich die Meistergründungsprämie für Handwerksmeister*innen seit 2017 zu einem beliebten und erfolgreichen Förderinstrument entwickelt. Diese Erfolgsgeschichte muss auch in der neuen Legislaturperiode weitergeschrieben werden“, sagte heute Burghard Grupe (Foto), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Das Handwerk fordert außerdem die Einführung eines Meisterbonus für Absolventen der Meisterschule. Weiterhin sollten Unterstützungsmodelle für Betriebsübernehmer in nichtmeisterpflichtigen Berufen entwickelt werden. „Die Betriebsnachfolge ist und bleibt ein großes Thema in Sachsen-Anhalt. Um möglichst vielen Unternehmen eine Nachfolge zu ermöglichen, brauchen wir gezielte Unterstützung beim Finden eines Nachfolgers und weniger Bürokratie“, so Grupe.